MALEREI
Daniel
(als Patroklos)
Daniel
(2015)
Acryl und
Acryl und Bleistift
Bleistift
auf Leinwand,
100 × 100 cm
Daniel
(als Patroklos)
Daniel
(2015)
Acryl und
Acryl und Bleistift
Bleistift
auf Leinwand,
100 × 100 cm
Viele Menschen können malen wie ich. Meine Bilder zeigen, wie es gehen könnte.
Jeder Mensch kann gemalt werden. Die Bilder gehören nicht nur ein paar Menschen.
Die Bilder zeigen den Menschen, dass sie gut sind. Die Bilder zeigen den Menschen auch, dass sie noch besser sein können.
Durch Spuren des Malens verraten meine Werke ihre Machart und verzichten damit auf den Versuch elitär zu wirken. Die Nachahmung bekannter Bildinhalte und -gattungen erleichtert den Zugang. Unbemalt gebliebene Stellen, teils noch sichtbare Vorzeichnungen und die Materialwahl kratzen an der Erhabenheit des Bildes.
Die Arbeiten setzen die Gemalten in einen aufholbaren Rückstand zu einem besseren Selbst. Das Bild verherrlicht das eigene Leben und stellt dennoch ein besseres in Aussicht. In diesem Spannungsfeld zielen die Arbeiten gleichzeitig auf die Akzeptanz und die Aktualisierung der eigenen Person.
In Artefakten des malerischen Prozesses verraten meine Werke ihre Fabrizität und verzichten damit auf den elitären Schein künstlerischer Arbeiten. Die Emulation und Imitation bekannter Sujets und Bildgattungen erleichtern den Zugang. Die unprätentiöse Materialwahl, teils noch sichtbare Vorzeichnungen und unbemalt gebliebene Stellen unterminieren die Erhabenheit des Bildes.
Die Arbeiten setzen die Porträtierten in einen aufholbaren Rückstand zu einem idealisierten Selbst. Das Bild fungiert als Zerrbild. Es glorifiziert das eigene Leben und stellt gleichzeitig dessen mögliche Steigerung in Aussicht. In diesem Spannungsfeld zielen die Arbeiten auf Selbstakzeptanz und Selbstaktualisierung.
In diesen Kunst-Werken geht es um Männer. Diese Männer waren wichtig für mich. Manchmal wollte ich so sein wie sie. Manchmal wollte ich anders sein als sie.
Das Wort »Konkurrenz« kommt aus einer alten Sprache. Es bedeutet: zusammen gehen. Oder: zusammen laufen.
Die Männer auf den Bildern sind heute älter. Sie sehen anders aus als früher. Sie haben auch mehr erlebt als früher.
Wenn ich die Bilder anschaue, merke ich: Ich lebe immer in Verbindung mit anderen Menschen.
Das Wort RIVUS kommt auch aus einer alten Sprache. Es bedeutet: Fluss. Von diesem Wort kommen zwei andere Wörter: »River« bedeutet Fluss auf Englisch. »Rivale« bedeutet Gegner. Ein Rivale war früher jemand, der am gleichen Fluss gelebt hat. Also: Die Männer sind meine Nachbarn am Fluss.
Im Werkzyklus RIVUS setze ich mich mit den Männern auseinander, die mir Rivalen wie auch Vorbilder waren. »Konkurrenz«, von »concurre« bedeutet im ursprünglichen Wortsinn »miteinander gehend/laufend«. Im Wettbewerb um Männlichkeit galten mir dieselben Menschen mal als schillernde Ideale und mal als Abgrenzungsobjekte.
In Ansammlungen von Pathosformeln finden die Abgebildeten zwar Bestätigung, erleben sich jedoch auch immer im entstandenen Unterschied zu einem Selbst aus vergangener Zeit. Sie sind sowohl körperlich gealtert, wie auch reicher an Erfahrung.
»River« und »Rivale« stammen von RIVUS:Meine Nachbarn am Fluss.
Im Werkzyklus RIVUS setze ich mich mit den Männern auseinander, die mir Rivalen wie auch Ideal waren. »Konkurrenz«, von »concurre« bedeutet im ursprünglichen Wortsinn »miteinander gehend/laufend«. Im Wettbewerb um die Rollenerfüllung der sich wandelnden Männlichkeitsvorstellungen galten mir dieselben Menschen mal als schillernde Idealbilder und mal als Abgrenzungsobjekte.
In Kompendien von Pathosformeln finden die Abgebildeten sowohl Affirmation, erleben sich jedoch auch immer in einer zwangsläufigen Differenz zu einem Selbst aus der Vergangenheit. Sie werden oft konfrontiert mit einem körperlich überlegenen, dafür aber erfahrungsärmeren Zustand. Ich selbst erkenne, dass ich an der Identifikation mit anderen gewachsen bin.
»River« und »Rivale« stammen von RIVUS:Meine Nachbarn am Fluss.

Ben
(2015)
Acryl, Bleistift
und Farbstift
auf Leinwand,
Acryl, Bleistift und
Farbstift auf Leinwand,
120 × 100 cm
Ich habe Kunst-Werke gemacht. Die Kunst-Werke heißen zusammen: MYTHUS.
In diesen Kunst-Werken male ich Menschen als Bilder. Solche Bilder nennt man: Porträts.
Ich schaue mir dabei viele Dinge an. Zum Beispiel: Wie ist das Bild aufgebaut? Welche Farben benutze ich? Was zeigt das Bild?
Ich frage mich auch: Welche Aufgabe hatten Porträts früher? Und welche Aufgabe haben sie heute?
Früher hat man wichtige Menschen gemalt. Zum Beispiel Könige und Königinnen. Oder man hat berühmte Geschichten gemalt.
Es gab auch alte Geschichten über Götter und Helden. Diese Geschichten nennt man: Mythen. Die Mythen kamen vor allem aus Europa und aus West-Asien.
Ich benutze diese alten Ideen für meine Kunst. Aber ich male keine Könige oder Götter. Ich male Menschen aus meinem Leben.
Damit möchte ich zwei Dinge zeigen: Ich möchte diesen Menschen Ehre geben. Und ich möchte ihnen Mut machen. Meine Botschaft ist:
Ihr seid gut, so wie ihr werdet.
Im Zyklus MYTHUS beschäftige ich mich im Besonderen mit gestalterischen Elementen wie dem Bildaufbau, dem Stil oder der Farbsymbolik. Ich frage nach geschichtlich wichtigen Bildinhalten und der Rolle des Porträts in Vergangenheit und Gegenwart.
Dabei greife ich auf Vorbilder aus der Kunstgeschichte zurück, auf die Herrscher·innenporträts und Historiengemälde der Vormoderne, aber auch auf Mythen aus der europäischen und westasiatischen Antike und Vorantike. Mit diesen Verweisen möchte ich die Menschen in meinem Umfeld ehren und sie zugleich ermutigen:
Ihr seid gut, so wie ihr werdet.
Im Zyklus MYTHUS gehe ich nicht nur formalen und inhaltlichen kunstspezifischen Kategorien, wie Komposition, Stil und Kolorit, Ikonografie und Thematik nach, sondern auch der Funktion des Porträts in vergangener und meiner gegenwärtigen Kultur.
Die Rekursion auf kunsthistorische Vorbilder bedient sich u.a. der Repräsentationskunst der Vormoderne, mit ihren Herrscher·innenbildern und Historiengemälden, nimmt aber auch Anleihen aus den Mythen der überwiegend europäischen und westasiatischen Antike und Vorantike. Sowohl ehre ich die Menschen meines Umfelds mit diesen Verweisen, wie ich sie auch gleichzeitig zu motivieren erhoffe: Ihr seid gut, so wie ihr werdet.

Alex
(2025)
Acryl, Bleistift
und Farbstift
auf Leinwand,
and coloured
pencil on
canvas,
100 × 100 cm
Die meisten Menschen erkennen Gesichter. Sie sehen, ob jemand froh ist oder traurig. In meinen Bildern male ich nur das Gesicht. Ich male keine Kleidung, keine Frisur, keine Schminke. So spürt man die Bilder im eigenen Körper. Ich frage mich beim Malen: Kann auch die Art zu malen zum Gesicht passen? Zum Beispiel, wo ich das Gesicht im Bild platziere, wie ich den Pinsel führe und welche Farben ich nehme.
Die meisten Menschen erkennen ein Gesicht und können den Ausdruck darin lesen. In diesen Bildern verzichte ich weitgehend auf Details, die etwas über die Zeit oder die Kultur der dargestellten Person verraten, also auf Kleidung, Frisur oder Schminke. So sollen die Bilder die Betrachtenden körperlich ansprechen. Mich beschäftigt dabei die Frage, ob auch der Bildaufbau, die malerische Geste, der Pinselstrich und die Farbgebung dem Gesichtsausdruck entsprechen können.
Die meisten Menschen erkennen ein Gesicht und dessen Ausdruck. Weitgehend befreit von zeit- und kulturdokumentarischen Bildinhalten, wie Kleidung, Frisur oder Schminke, bieten die Bilder eine körperliche, wenn nicht gar leibliche Begegnung. In ihnen gehe ich der Frage nach, inwieweit dem jeweiligen mimischen Ausdruck auch in Komposition, Gestus und Kolorit entsprochen werden kann.

Michael (am Kreuz)
Michael
(am Kreuz)
(2015)
Acryl und
Acryl und Bleistift
Bleistift
auf Leinwand,
120 × 80 cm

Marcus
(2017)
Acryl, Blei- und Holzstift
auf Leinwand, 100 × 140 cm
MARTIN ZANKER